Paarchoaching – Paartherapie

Paarcoaching – Paartherapie

A. Warum?

Nie in der Geschichte der Menschheit war es so wie in den letzten Generationen möglich, sich seinen Partner, seine Partnerin selber auszusuchen und das nach Kriterien wie Verliebtheit, Liebe, Zuneigung und gemeinsame Zukunftsphantasien.

Dies ist als Entwicklungsschritt Richtung Autonomie positiv zu werten, bringt aber auch Schwierigkeiten und Gefahren mit sich. Wir haben noch zu wenig Übung darin, dies gut und realistisch zu bewerkstelligen und uns nicht zu sehr Richtung Idealisierung und paradiesischen Phantasien („Du bist mein Ein und Alles.“ „Du bist der/die Einzige.“ „Du bist mein Leben.“ …)

zu bewegen.

Letztlich ist es immer wieder so, dass keine andere Beziehung wie die Partnerschaft ähnlich geeignet ist, auch die jeweils eigenen innerseelischen Problematiken der Beteiligten zum Vorschein zu bringen, an die wir als Single eher nicht herangekommen wären. Denn nach den frühen Erfahrungen in unserer Kindheit mit unseren Eltern, oder anderen wichtigen Bezugspersonen, kommt uns in der Regel niemand wieder emotional so nahe wie unsere Partnerin, unser Partner. Diese Entwicklungschance hat Vorteile und Nachteile, oder, wie es ein arabisches Sprichwort ausdrückt:

Beziehung ist wie eine belagerte Festung. Die drinnen sind, wollen hinaus, die heraußen sind wollen unbedingt hinein.“

B. Wann?

Sind Sie frustriert von Ihrer Beziehung oder genervt von Ihrem Partner?

Keine Lust mehr auf die ewig gleichen Vorwürfe? Keine Lust mehr auf das ständige Spiel des sich Zurückziehens, sich Abmühen, es allen recht machen wollen, sich anpassen, all den Frust, die Enttäuschung und die Wut?

Oder sind Sie im Zweifel, ob das alles so richtig ist? Ob es das schon gewesen sein soll?

Als psychodynamisch orientierter Paarcoach/Paartherapeut kann ich Ihnen in diesen Situationen hilfreich sein, natürlich vor allem dann, wenn ein Paar in der Krise ist, wegen:

  • verloren gegangener Liebe,
  • Sinnverlust,
  • Alltagsroutine,
  • Geburt des ersten Kindes.
  • ständig wiederkehrender Auseinandersetzungen wegen der gemeinsamen Kinder,
  • familiärer Altlasten aus der Ursprungsfamilie,
  • Dauerstreit oder drohender Trennung,
  • einer Nebenbeziehung/Affäre,
  • sexueller Probleme,
  • belastender Lebensereignisse (Krankheiten, Tod, unerfüllter Kinderwunsch …).

Im Paarcoaching, in der Paartherapie begleite ich sie durch Krisenzeiten und versuche mit Ihnen gemeinsam neue Wege des Miteinanders und des Zueinanders, oder auch die Entscheidung zur Trennung zu finden.

Heirate, oder heirate nicht. Beides wirst du manchmal bereuen.“ (S. Kierkegaard)

Paarschwierigkeiten drehen sich häufig auch um nachlassende Intimität oder fehlende körperliche Nähe und Sexualität.

Mangelnde Sexualität, Intimität und Erotik haben manchmal mit einer mangelnden Selbstbeziehung, einem geringen Selbstwert zu tun. Oder mit alten Kränkungen und Verletzungen zugefügt durch den Partner, die dann zu einer nachlassenden Sexualität führen können.

Diese Themen können bei entsprechendem Vertrauen zum Coach/zum Therapeuten durchaus besprochen und bearbeitet werden. Wichtig ist dabei, es gibt keine Normalität, kein „so ist es richtig“, schon gar nicht gemessen an einer bestimmten Zahl der intimen Zusammenkunft des Paares pro Monat.

Paarcoaching kann auch bedeuten, sich zu einer Trennung zu entscheiden und diese durch zu führen, ohne alles bisher gut Gewesene vernichten, zerstören zu müssen.

Manchmal geht es auch darum, nachher miteinander in Kontakt zu bleiben, vor allem dann, wenn es aufgrund gemeinsamer Kinder um den Umgang mit diesen geht. Hierbei spielt auch die Beachtung des Kindeswohls eine wichtige Rolle. Da die Trennungssituation häufig eine Kränkung darstellt, zumindest eine belastende Zeit für die Erwachsenen inkludiert, werden die Bedürfnisse der Kinder häufig übersehen, oder können aus eben eigenen, innerseelischen Nöten nicht beachtet werden. Darauf gilt es aufmerksam zu werden und sich und den Kindern adäquate Unterstützung zu gewähren.

Apropos Kinder:

Die Geburt eines Kindes ist in vielen westlichen Ländern eine der häufigsten Ursachen für Trennung oder Scheidung. Paradox, denn häufig wollen Paare ja auch eine Familie gründen, also ihren Kinderwunsch erfüllen. Aber anstatt die Liebesbeziehung zu festigen, wird ein Paar durch die existenziellen Bedürfnisse eines Babys nicht selten so belastet, dass die Partner zunehmend

auseinanderdriften, sich unverstanden fühlen und es zur Trennung kommt. Hier kann rechtzeitiges Coaching/Beratung hilfreich sein, denn kaum ein Paar spricht offen über die „Herausforderung Kind“, alle glauben ein Kind muss das reine Glück sein und fühlen sich schuldig, wenn sich auch ambivalente, ablehnende Gefühle gegenüber dem eigenen Kind einstellen.

C. Wie?

Paarcoaching bedeutet eine eher kurzfristige, lösungsorientierte Herangehensweise

(5-15 Stunden).

Paartherapie ist eher bei sehr verfestigten Beziehungsmustern und länger dauernden Prozessen indiziert.

Meine professionelle Haltung dabei ist eine möglichst neutrale und ergebnisoffene.

Meine Sichtweise ist dabei eine psychodynamische, das heißt, ich gehe von der Annahme aus, dass sich wesentliche Aspekte der Paarbeziehung nicht bewusst, also nicht nur rational gesteuert, entwickeln.

Partnerwahl und Partnerbeziehung werden durch die biografischen Erlebnisse der beteiligten Personen wesentlich mitbestimmt, vergangenes wirkt im heutigen.

Dabei gilt:

Niemand ist zu Beginn einer Paarbeziehung beziehungsfähig – das werden wir erst in der Beziehung selbst.“ (D. Schnarch)

Unsere menschlichen Beziehungen sind grundsätzlich ambivalent, es gibt Liebe/Zuneigung/Freundschaft und Wut/Zorn/Aggression nebeneinander, nacheinander. Entscheidend für eine dauerhafte Partnerschaft ist dabei, ob die Beziehungspartner diese schwierigen Gefühle bei sich behalten, halten können.

Oder anders gesagt:

Das Geheimnis langfristiger Beziehungen ist unter anderem eine Reihe nicht vollzogener Trennungen!“

Die alles überdauernde Leidenschaft und Verliebtheit wird dabei wohl eine weniger bedeutsame Rolle (wenngleich phasenweise durchaus hilfreich) spielen.

D. Voraussetzungen und Ablauf:

Voraussetzung für ein Paarcoaching, eine Paartherapie ist eigentlich, dass beide Partner diese wünschen und zu Veränderungen bereit sind.

Gerade Männer sind dabei tendenziell eher zögerlicher, wollen nicht „darüber reden“, sehen keine Notwendigkeit und übersehen die „Nöte“ der Partnerin. Sie sind dann häufig überrascht, („Es ist uns doch immer gut gegangen“), wenn die Partnerin „die Reißleine zieht“.

Ein Partner/eine Partnerin steht jedoch häufig unter stärkerem Leidensdruck als der andere. Dieser sollte dann ganz deutlich signalisieren, dass er/sie so nicht weiterleben kann und will, und den Partner/die Partnerin bitten, gemeinsam professionelle Begleitung zu suchen.

Falls dies vorerst nicht möglich ist, kann auch einer der Beteiligten zuerst mal alleine mit einer Beratung beginnen.

Ein Paargespräch mit einem der Partner/Partnerinnen dauert 50 Minuten,

mit beiden Partnern/Partnerinnen 90 Minuten.

Dabei interessiert zunächst, wie sich für die Beteiligten die Paarproblematik darstellt.

Jede, jeder hat daher die Gelegenheit, die persönliche Sicht der Schwierigkeiten zu schildern, was die möglichen Gründe für die aktuelle Lage sind, was schon alles probiert wurde, was sich der jeweiligen Meinung nach in der Beziehung ändern müsste und was das Ziel der Paargespräche sein soll. Beide hören einander zu, es gibt nie nur eine alleingültige Wahrheit, immer gibt es mindestens zwei Sichtweisen die beide ihre Berechtigung haben.

Eine wesentliche Frage, die ich zu Beginn mit Ihnen zu klären versuche, ist:

Haben sie als Partner noch Hoffnung, dass sie wieder zueinander finden, oder soll es um eine gute Trennung gehen?

Danach wird sich der weitere Verlauf der gemeinsamen Gespräche richten.

E. Literaturempfehlung:

Clement U., (2012): Wenn Liebe fremdgeht: Vom richtigen Umgang mit Affären. Verlag Ullstein.

Schmidbauer W., (2012): Partnerschaft und Babykrise. Gütersloher Verlagshaus.

Schmidbauer W., (2014): Die großen Fragen der Liebe. Paarkonflikte verstehen und lösen. Goldmann Verlag.

Schnarch D., (3. Auflage 2009): Die Psychologie sexueller Leidenschaft. Piper Verlag.