Psychoanalyse


Zur Psychoanalyse:                                              
                    
1. Ganz Ohr sein:
Sich einlassen auf eine psychoanalytische/psychodynamische Therapie heißt, nachdenken über sich in der Gegenwart eines Anderen, der zuhört. Der Analytiker hört mit „gleichschwebender Aufmerksamkeit“, achtsam, urteilt nicht, und hört vielleicht gerade dadurch bisher „unerhörtes“.
Dabei kann ein Dialog entstehen über gegenwärtige Beziehungen und aktuelle Schwierigkeiten, und wie diese durch vergangene Erfahrungen beeinflusst und mit verursacht wurden.


2. Sigmund Freud, der Begründer der Psychotherapie:
Sigmund Freud (06.05.1856 – 23.09.1939) hörte seinen Patienten zu, mit ungeteilter Aufmerksamkeit und überlegte sich, was das Gesprochene und das Gezeigte (die Symptome, das Leiden) be-deuten könnten. Er kam nach gründlicher Beschäftigung und klinischer Erfahrung zur Überzeugung, dass vor allem eine Befreiung von den Schatten der Vergangenheit notwendig ist, die in Formen von Ängsten, einschüchternden Verboten, kindlichen Erwartungen, unrealistischen Selbstbildern und süchtigen Gewohnheiten, nicht nur unsere Handlungsfreiheit und unser Erleben in der Gegenwart auf neurotische Weise einengen, sondern auch den Umgang mit uns selbst und mit anderen Personen schwierig machen können.


3. Hier und Jetzt: 

Das Hier und Jetzt steht in der modernen analytischen Praxis im Vordergrund der psychotherapeutischen Arbeit. Auf dem Hintergrund psychoanalytischer Theorien zielt die Zusammenarbeit darauf ab, die aktuelle Lebenslage gemeinsam zu verstehen, und dann Veränderungsmöglichkeiten zu erarbeiten und umzusetzen. Fähigkeiten und Stärken, die auch durch die Bewältigung schwieriger Lebensbedingungen erworben wurden, sind dabei wertvolle Ressourcen für eine positivere Entwicklung.

Die Bewusstmachung dieser einschränkenden Muster, kann uns freier, selbstbewusster, sozial kompetenter, humorvoller, versöhnlicher, aber auch abgegrenzter, kritischer, und weniger angepasst werden lassen, im besten Wortsinn „unverschämt“!
Gegen diese Veränderungen gibt es aber innere Widerstände, unter anderem in Form von in langen Jahren angelernten Verhaltens- und Denkweisen. Daher braucht tatsächliche, dauerhafte und tiefergehende Veränderung eine gewisse Zeit. Jahrzehntelang gelerntes und (in der Kindheit sinnvoll) erprobtes kann selten in 5 – 10 Sitzungen aufgelöst werden.
Im modernen psychoanalytischen Verständnis ist der Psychotherapeut nicht distanzierter Beobachter, sondern Mitgestalter, Miterlebender und Mitfühlender. Dies setzt die Bereitschaft und Fähigkeit des Psychotherapeuten voraus, sich in einer zugewandten Haltung der Besonnenheit auf eine therapeutische Beziehung einzulassen, die auf gemeinsame Neugier und „nicht-alles-von-vorne-herein- wissen“ gründet.

4. Gestaltungsmöglichkeiten (Settings):
Die moderne Psychoanalyse kennt mittlerweile zusätzlich zum Liegen auf der Couch auch andere, jeweils modifizierte Methoden bei denen sich Therapeut und Patient/Patientin gegenüber Sitzen.
So zBsp. die psychodynamische Therapie (1-2 Stunden/Woche über 1-2 Jahre) oder die Fokaltherapie (15-30 Stunden fokussiert auf eine zentrale, belastende Schwierigkeit/Hemmung).


Literaturempfehlungen:
Schmidbauer W. (1993): Liebeserklärung an die Psychoanalyse. Rowohlt.
Schmidbauer W. (2005): Der Mensch Sigmund Freud – Ein seelisch verwundeter Arzt? Kreuz Verlag. Stuttgart.
Voos D. (2. Auflage 2012): Psychoanalyse tut gut – Ein Ratgeber für Hifesuchende. Psychosozial-Verlag. Gießen.