Psychoanalyse

Zur Psychoanalyse:


Psychoanalytische Psychotherapie heißt, nachdenken über sich in der Gegenwart eines Anderen, der zuhört.
Dabei kann ein Dialog entstehen über gegenwärtige Beziehungen und aktuelle Schwierigkeiten, und wie diese durch vergangene Erfahrungen beeinflusst und mitverursacht wurden.
Sigmund Freud (06.05.1856 – 23.09.1939) kam nach gründlicher Beschäftigung und klinischer Erfahrung zur Überzeugung, dass vor allem eine Befreiung von den Schatten der Vergangenheit notwendig ist, die in Formen von Ängsten, einschüchternden Verboten, kindlichen Erwartungen, unrealistischen Selbstbildern und süchtigen Gewohnheiten, nicht nur unsere Handlungsfreiheit und unser Erleben in der Gegenwart auf neurotische Weise einengen, sondern auch den Umgang mit uns selbst und mit anderen Personen schwierig machen können.

Das Hier und Jetzt steht in der modernen analytischen Praxis im Vordergrund der psychotherapeutischen Arbeit. Auf dem Hintergrund psychoanalytischer Theorien zielt die Zusammenarbeit darauf ab, die aktuelle Lebenslage gemeinsam zu verstehen, und dann Veränderungsmöglichkeiten zu erarbeiten und umzusetzen. Fähigkeiten und Stärken, die auch durch die Bewältigung schwieriger Lebensbedingungen erworben wurden, sind dabei wertvolle Ressourcen für eine positivere Entwicklung.

Die Bewusstmachung dieser einschränkenden Muster, kann uns freier, selbstbewußter, sozial kompetenter, humorvoller, versöhnlicher, aber auch abgegrenzter, kritischer und weniger angepasst werden lassen.
Gegen diese Veränderungen gibt es aber innere Widerstände, unter anderem in Form von in langen Jahren angelernten Verhaltens- und Denkweisen. Daher braucht tatsächliche, dauerhafte und tiefergehende Veränderung eine gewisse Zeit. Jahrzehntelang gelerntes und (in der Kindheit sinnvoll) erprobtes kann selten in 5 – 10 Sitzungen aufgelöst werden.
Die Dauer einer Psychotherapie hängt von mehreren Faktoren ab, vor allem von der Schwere der Beeinträchtigungen, der Veränderungsbereitschaft/Veränderungsfähigkeit, aber auch von den Veränderungszielen, die angestrebt und gemeinsam vereinbart werden.
In einer gelingenden Psychotherapie können sich Patient und Therapeut gemeinsam mit schwierigen (vielleicht krank machenden) Erfahrungen konfrontieren, diese psychische Auseinandersetzung kann zu größerem Selbstbewußtsein und zu größerer Selbstbestimmung führen, aber auch zu einer Versöhnung mit dem eigenen bisherigen Leben.
„Gemeinsam“ meint im modernen psychoanalytischen Verständnis eine „intersubjektive“ Haltung, in der der Psychotherapeut nicht distanzierter Beobachter, sondern Mitgestalter, Miterlebender und Mitfühlender ist. Dies setzt die Bereitschaft und Fähigkeit des Psychotherapeuten voraus, sich in einer zugewandten Haltung der Besonnenheit auf eine therapeutische Beziehung einzulassen, die auf gemeinsame Neugier und „nicht-alles-von-vorne-herein- wissen“ gründet.
Wir entwickeln uns als Menschen in Kontakt und Auseinandersetzung mit unserer Umwelt (Mitmenschen, politisches und kulturelles Umfeld, Natur…). Darauf hat Psychotherapie Rücksicht zu nehmen („Das Sein bestimmt das Bewußtsein“). Psychotherapie ist daher ein ganzheitliches Verfahren, das heißt es werden auch sozioökonomische und soziokulturelle Gegebenheiten mit ein bezogen.
Die moderne Psychoanalyse kennt mittlerweile zusätzlich zum Liegen auf der Couch auch andere, jeweils modifizierte Methoden bei denen sich Therapeut und Patient/Patientin gegenüber Sitzen.
So zBsp. die psychodynamische Therapie (1-2 Stunden/Woche über 1-2 Jahre) oder die Fokaltherapie (15-20 Stunden fokussiert auf eine zentrale, belastende Schwierigkeit/Hemmung).
Der Großteil der Behandlungen findet mittlerweile auch in der psychoanalytischen Praxis im Sitzen statt.
Literaturempfehlungen:
Luepnitz D. A. (2007): Schopenhauers Stachelschweine. Psychotherapiegeschichten über die Nähe und ihre Tücken.
Psychosozial Verlag. Gießen.
Schmidbauer W. (1993): Liebeserklärung an die Psychoanalyse. Rowohlt.
Schmidbauer W. (2005): Der Mensch Sigmund Freud – Ein seelisch verwundeter Arzt? Kreuz Verlag. Stuttgart.
Voos D. (2. Auflage 2012): Psychoanalyse tut gut – Ein Ratgeber für Hifesuchende. Psychosozial-Verlag. Gießen.
Yalom I. D. (1999): Die Liebe und ihr Henker und andere Geschichten aus der Psychotherapie. btb Verlag. München.